Zuhause bei Freunden – Kompletter Reise- und Schaubericht von der Europäischen Vergleichsschau der Cauchois am 10.-11. Januar 2026 in Enchenberg / Lothringen

Posted on: 30. Januar 2026, by :

Liebe Mitglieder und Cauchoisfreunde, werte Leser,

wir erinnern uns: Sollten wir im Frühjahr 2025 noch unsicher sein, ob in diesem (Zucht-) Jahr überhaupt einen Europäische Vergleichsschau der Cauchois stattfinden würde, weil verschiedene Optionen bis dato nicht zum Tragen kamen, zeichnete sich im Sommer dann doch noch langsam eine mögliche Lösung ab, nachdem „Markus und Marcus“ (Markus Mosebach und Marcus Rosenek) Kontakt zu ihren französischen Zuchtfreunden aus Lothringen aufgenommen hatten. Zu dem Zeitpunkt konnte allerdings noch niemand ahnen, dass Enchenberg am zweiten Januarwochenende zum Fest für unsere Cauchois und deren Anhänger und Freunde, wenn nicht sogar für die internationale Rassetaubenzucht werden sollte!

Aber von Anfang an: Gute zwei Wochen vor Meldeschluss zermartere ich mir selbst noch immer den Kopf, ob ich den langen Weg nach Enchenberg antreten sollte. „Um die Ecke“ ist was anderes! Gerne hätte ich die VDT-Schau in Leipzig abgewartet, aber was sprach eigentlich dagegen? Die Prozedur mit der TRACES-Bescheinigung hatte ich inzwischen geübt, der Urlaub war bereits eingetragen und freigegeben und selbst die Familie hatte ihr „OK“ gegeben. Mit „leeren Händen“ heimzukommen schien mir das größte Risiko, aber kann man hier überhaupt von einem Risiko sprechen!? Nein, ich denke nicht. Allein die Aussicht auf ein solches Erlebnis im Mutterland unserer schönen Cauchois wiegt alles andere auf – einen Preis „zu entführen“ wäre nur das „i-Tüpfelchen“. Also wurden kurzerhand acht Bronzebindige gemeldet, bevor möglicherweise alle bis dato geplanten 400-450 Nummern vergriffen waren.

Und nachdem ich nun selbst von der Partie sein sollte, möchte ich diesem wunderbaren Event gerecht werden, indem ich all meine Impressionen – von unserer Reise nach Enchenberg und der „Enchenberger Taubenschau“ – möglichst detailgetreu wiedergebe. Und weil soviel Material zusammengekommen ist, möchte ich meinem Bericht mit folgendem Inhaltsverzeichnis etwas Struktur verleihen:

Mit Hilfe dieses Inhaltverzeichnis gelangen Sie / gelangt Ihr als Leser per Mausklick einfach zu den einzelnen Absätzen Ihrer / Eurer Wahl – ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen!

Reisebereicht Teil 1:

Reiseplanung:

Am 2. Advent war großer Auflauf in Leipzig. Während einige Zuchtfreunde das ganze Wochenende in Leipzig blieben, kam die große Schar natürlich am Sonntag, um ihre Tiere abzuholen. Und so wurde hier auch der grobe Plan für Enchenberg geschmiedet. Es sollte eine Reisegruppe Süd (Bertram Trinkerl, Jürgen Altrichter, Thomas Zwack und Dieter Voigt) und eine Reisegruppe Nord geben. Letztere war inzwischen etwas abgeschmolzen, da Volker Kamin leider keinen Urlaub bekam und der Zuchtfreund von den Farbentauben leider aus privaten Gründen ausfiel. So fehlte nun aber der „Hundefänger“ für den Tiertransport, aber da wir (Markus Mosebach, Marcus Rosenek, Jens und Martin Neumann und ich) nun nur zu fünft wären und lediglich Markus und ich Tiere mitführen würden, sollte unser „Bus“ das allein bewältigen. Gegen 12.00 Uhr wollten wir uns in Tiefenort treffen, um spätestens 13.00 Uhr von Thüringen gen Frankreich zu starten. Das hieße dann etwa gegen 7.30 / 8.00 Uhr Start in Linda und wiederum eine Stunde eher in Guteborn. Soweit der Zeitplan, und um die Unterkünfte wollten sich Jürgen und Markus kümmern, ggf. mit Unterstützung durch unsere liebe Doreen Schröter.

Vorgezogene Überraschung zum 3. Advent: In Enchenberg sollten über 1.000 Tauben stehen, und nicht minder als 566 Cauchois waren gemeldet – ein überwältigendes Meldeergebnis. Und inzwischen hatte sich auch herumgesprochen, dass auch unsere drei italienischen Cauchoisfreunde – Mario, Vittorio und Gianluigi – den Weg nach Lothringen antreten wollten. Sollte unsere diesjährige Vergleichsschau trotz aller Restriktionen und des späten Termins ein Fest der Cauchois werden? Die Vorfreude war jedenfalls riesig, und so wurde vielerorts die TRACE-Bescheinigung initiiert, indem die Eckdaten und Impfbescheinigungen an die jeweilige Veterinärbehörden gesendet wurden. Leider folgte einige Tage später die Ernüchterung, weshalb ich die Reise wohl ohne meine Tiere antreten würde. Aber nach ein paar Tagen verflog auch der Ärger darüber! Immerhin vereinfachte das die Logistik etwas – Frankreich wir kommen!

Anreise:

Gute 24 Stunden vor geplantem Start kam doch noch mal alles anders: Konfrontiert waren wir mit dem Aufziehen des Sturmtiefs „Elli“ und kurzfristig musste auch noch die Reiseroute angepasst werden. Statt wie geplant gegen 7.45 Uhr startete der „Bus“ nun schon kurz nach 7.00 Uhr in Putzkau, und das bei eisigen Temperaturen von ca. -10 Grad. Erster Stopp war Guteborn, wo kurz vor 8.00 Uhr unsere Zuchtfreunde Jens und Martin Neumann zustiegen. Ellis Vorboten erwischten uns das erste Mal zwischen Chemnitz und Gera, wo fast nichts mehr ging – auf spiegelglatter Fahrbahn, bei starkem Schneefall und heftigem Wind sowie einer Sicht von weniger als 100 Metern ging es zwischenzeitlich nur schleppend voran. Zum Glück sollten wir trotz aller Prognosen danach akzeptable Witterungsverhältnisse vorfinden. Nach zwei weiteren kurzen Stopps, um unsere thüringischen Zuchtfreunde Jens Müller und Wolfgang Weißenborn zu treffen, fuhr der Bus fast planmäßig gegen halb eins in Tiefenort ein, wo unsere Reisegruppe Nord durch „Markus & Marcus“ komplettiert wurde. Und fast planmäßig erreichten wir kurz vor halb sechs auch unser finales Ziel – die Ausstellungshalle in Enchenberg. Ganz ohne Materialschäden verlief die Reise jedoch nicht, denn unser Bus hatte zwischendurch Nahkontakt mit Marcus neuem Bewertungskoffer. Oder hatte sich doch der Koffer wagemutig auf unser Fahrzeug gestürzt!? 😉 Wir werden es wohl nie erfahren! 🙂

Unsere Reisegruppe Süd hatten wir für erste verpasst, aber die Halle wimmelte vor Leuten als wir ankamen. Freunde und Bekannte wurden begrüßt und schnell verlor man sich in Gesprächen, und mindestens genauso schnell wurden aus neuen Bekanntschaften echte Zuchtfreunde – von der ersten Minute an stimmte das Klima! Das Schild „Bienvenue“ im Eingangsbereich konnte trefflicher nicht sein! Und als im Laufe des Abends immer mehr Freunde und Bekannte, inkl. unserer Reisegruppe Süd, dazustießen und auch noch Wein und Bier flossen sowie ein kleines Abendessen gereicht wurde, war der Abend perfekt – wir waren angekommen!

Bild 1-4: Die Mehrzweckhalle von Enchenberg bot platz für über 1.000 Tauben und mit „Bienvenue“ wurden Aussteller, Gäste und Besucher auf das Herzlichste von unseren lothringischen Zuchtfreunden begrüßt!

Gegen 21.30 Uhr siedelten wir in unsere Unterkunft im benachbarten Lembach über, welche Markus für uns gebucht hatte. Besser hätte die Wahl nicht sein können! Und nachdem jeder sein Zimmer bezogen hatte, feierten wir den Auftakt in ein vielversprechendes Wochenende. Dem fiel auch der Reiseproviant unseres Zuchtfreundes Jens Müller (Vielen Dank!) und ein paar der mitgebrachten Delikatessen zum Opfer. Erschöpft (von der Reise), aber zufrieden fielen wir zu später – wohl eher zu früher – Stunde in unsere Betten.

Tag der Entscheidung:

Am nächsten Morgen bot sich ausreichend Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Auch dem geschuldet, dass Marcus und Jens – auch Jens Neumann würde nun kurzfristig als Preisrichter (PR) einspringen – erst gegen Mittag in der Halle sein sollten. Und dank dem nahegelegenen „Intermarché“ begingen wir unser „petite-déjeuner“ standesgemäß mit frischem Baguette. Den Rest hatte die Mitreisenden, insbesondere unser lieber Markus, für ein erstes Frühstück mitgebracht. Erst gegen 11.30 Uhr begaben wir uns dann in Richtung Halle, um Marcus und Jens abzusetzen – von „Hektik“ dort aber immer noch keine Spur. Erst gegen gegen 12.30 Uhr kam dann langsam Bewegung rein, indem die anwesenden PR zu Tisch gerufen wurden. Denn bevor es an die Bewertung gehen sollte, hieß es für die PR sich erstmal zu stärken. Sehr interessant die bereitgestellten Bewertungskarten je Preisrichterauftrag – eine Eigenkreation des lokalen Taubenvereins. Neben dem individuellen Layout je Abteilung und dem Format (A5 statt A6) gab es auch inhaltliche Optimierungen gegenüber dem uns gewohnten Standard: Zum einen wurde die Kondition des ausgestellten Tieres bewertet, zum anderen wurden mögliche Mängel differenziert, indem wirkliche „Ausschlussfehler“ separat aufgeführt wurden. Eigentlich keine schlechte Idee! Und wer an den Ausstellungskäfigen die klassischen Kartenhalter erwartete, der konnte lange suchen! Denn nach dem Bewerten durch den PR wurden die Bewertungskarten von beigestellten Helfern mit Büroklammern an den Käfigen befestigt.

Bild 5-7: In Frankreich ist so manches anders! Hier starten die PR mit einer Einweisung im Rahmen des Mittagessens, während die Bewertungskarten je PR-Auftrag bereitstehen. Sehr interessant die Gestaltung einer solchen, selbst kreierten Karte.

Der Rest unserer Gruppe vertat sich die Zeit mit einem „Überfall“ von Pascal Krebs „2“ und einem kurzfristig vereinbarten Besuch bei Pascal Krebs „1“. Wenn die Rassetaubenzucht – wie man scherzhaft sagt – eine Krankheit sei, dann sind die meisten Mitreisenden maximal leicht infiziert, aber unsere beiden lothringischen Namensbrüder wohl nicht mehr heilbar! 😉 Gesehen haben wir dort eine wirklich schöne Zucht von Genter und Verkehrtflügel-Kröpfern in verschiedenen Farben sowie später eine noch buntere Heerschar Rostower und Moskauer Tümmler sowie von artverwandten Rassen. Mit tollen Ideen und viel Engagement wird hier selbst unter recht limitierten Platzverhältnissen großartiges Zuchthandwerk praktiziert. Vollkommen offen war der züchterische Austausch und mit Sicherheit wurde auch die eine oder andere Idee mit nach Hause genommen. Vielen Dank liebe Zuchtfreunde, das war super!!!

Bild 8-10: Bei Pascal Krebs „1“ wird nahezu auf 3 Ebenen gezüchtet. Durch schmale Gänge und über Treppen kommt man zu den verschiedenen Schlägen, aber alles ist penibel sauber. Neben klassischer Haltung wird mit einigen Paaren auch die Einzelpaarhaltung praktiziert, wo die Paare abwechselnd „Freigang“ bekommen.

Bild 11-13: Eine nahezu klassische Zuchtanlage findet der interessierte Besucher bei Pascal Krebs „2“ – hier einige Impressionen von seiner Anlage für seine Genter Kröpfer.

Gegen sechs oder halb sieben begaben auch wir uns wieder in die Halle – die PR waren noch am Wirken. Wir waren nicht die Einzigen vor Ort, denn etliche Zuchtfreunde saßen bereits wie auf „heißen Kohlen“ und mit der Zeit trafen immer mehr Interessierte ein. Am Rande des Geschehens bildeten sich kleinere Gruppen und es wurde fleißig philosophiert und diskutiert, lediglich unterbrochen vom sehr leckeren Abendessen (Gefüllter Saumagen in Wurstform) – ein GeDicht. Gegen acht Uhr doch Bewegung, nachdem ein PR nach dem anderen teilweise sichtlich „am Ende“ zur Züchtergruppe stößt und die Anwesenden – Züchter und PR – in einer Art fremdgesteuerten Eigendynamik in die Reihen drängen, auf der Suche nach den eigenen Tieren und ihrem Abschneiden, begleitet von der Frage „Wer denn wohl dieses Jahr das Rennen gemacht hat?“ Die ersten Glückwünsche werden ausgesprochen und Fachgespräche entstehen, aber keiner hat bis dato einen kompletten Überblick. Es ist dann bereits deutlich nach 21.00 Uhr als das Hallenlicht gelöscht wird, um auch die letzten Enthusiasten aus der Halle zu bekommen – „Volle Transparenz“ wird es wohl erst am nächsten Tage geben, wenn jeder seinen Katalog in den Händen hält. Die ersten Erkenntnisse reichten aber, um uns bei deren Nachbetrachtung und dem züchterischen Austausch erneut bis in die frühen Morgenstunden auf den Beinen zu halten.

Kurzweil am Samstag:

Von wegen „Frühaufsteher“! – Eigentlich hätte ich noch schlafen können, aber es wollte nicht so recht funktionieren. Also entschloss ich mich kurz nach 8.00 Uhr zum Bäcker zu gehen und ein paar Mitbringsel zu kaufen. Danach saß ich schon eine ganze Weile über meinen Notizen – das frische Baguette am Ende des Tisches vor mir liegend – als einer nach dem anderen hinzukam. Ganz ohne Eile bereiteten wir unser Frühstück und waren, nachdem das Auto von einer dicken Schneeschicht befreit war, erst im Laufe des späten Vormittags wieder zurück in der Halle.

Nun hieß es Fotos machen und Notizen für den Schaubericht zu sammeln. Doch nachdem ich gerade mal die Hälfte der Spitzentiere „eingefangen“ hatte, wurde bereits zu Mittag gerufen – mein Bauch war noch nicht bereit, aber der Kopf wollte nichts verpassen! 😉 Man hatte in das örtliche Gasthaus „Auberge Sainte Vérène“ geladen. Hier erwartete uns ein leckeres 3-Gänge-Menü samt Wein und Kaffee. Das Highlight sollte aber der multi-kulturelle Austausch sein, denn niemand hatte sich diese Gelegenheit entgehen lassen. In einem „Kauderwelsch“ aus Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch wurde ausgelassen kommuniziert – (Tauben-) Züchter verstehen sich auch so! Ich behaupte: Gäbe es mehr (Tauben-) Züchter auf der Welt, gäbe es wohl auch weniger Ärger!

Bild 14-15: Gemeinsames Mittagessen im Enchenberger Gasthof „Auberge Sainte Vérène“

Zurück in der Halle hieß es nun „Gas geben!“, denn spätestens gegen fünf, halb sechs wollten wir wieder abrücken, um uns für den Züchterabend frisch zu machen. Und während andere Züchter das Gespräch suchten, „schlich“ ich durch die Reihen, um alles für den beiliegenden Schaubericht zu sammeln. – Tja, wohl selbstgemachtes Leid! 😉 Dankend nahm ich das Angebot der französischen Zuchtfreunde an, die mir liebenswerterweise die Fotos der EC zur Verfügung stellten. Denn wie gesagt, der erste Durchgang wurde mittags abrupt unterbrochen, und inzwischen lief mir die Zeit davon. Und dass die Punktezahlen nicht Teil des Kataloges, sondern „nur“ beigelegt, und mehr als die Hälfte der Bewertungskarten auf Französisch waren, machte es nicht einfacher. Wo benötigt holte ich mir die Unterstützung eines Experten, denn davon gab’s in der Halle ja genug! Und kurz nach 17.00 Uhr sollte ich alles beisammen haben:

Schaubericht:

Eingerahmt von 506 Tieren der allgemeinen Lokalschau des „Pigeon Club de Sarreguemines-Bitche“, angeschlossen auch eine kleinere Sonderschau für Lahore, fand unsere diesjährige Europa-Vergleichsschau der Cauchois mit 566 Nummern in der schönen und recht modernen Mehrzweckhalle von Enchenberg statt. Der „Salle des Fêtes d’Enchenberg“ (bzw. Salle Socioculturelle) bot hierfür beste Platz- und Lichtverhältnisse, wenn auch letzteres in Abhängigkeit der Tageszeit und dem Mix aus natürlichem und künstlichem Licht temporär seine Herausforderungen mit sich brachte. Ein durchgängig einreihiger Aufbau sicherte aber besten Zugang zu allen Tieren sowie genügend Platz für Gespräche in den Reihen und eine abgetrennte „Rückzugsfläche“. Bewertet wurden unsere Cauchois von einem internationalen, 7-köpfigen Gremium. Während Patrick Ostertag, Vincent Genart und Claude Bertrand von französischer Seite im Amt waren, waren dies aus den Reihen des CCD Bertram Trinkerl, Jens Neumann und Marcus Rosenek. Komplettiert wurde das PR-Team von Fillip Vierstraete aus Belgien.

Geschuppte:

Starten wir klassisch mit den Blau-bronzegeschuppten (82) – und ich werde mich bemühen, auch wenn dies der Hauptfarbenschlag und in der Regel der Farbschlag mit den meisten Züchtern und Tieren ist, dem in Enchenberg herangetragenen Züchterwunsch nachzukommen und ihn genauso zu behandeln wie andere Farbenschläge! 😉 So breit die Kollektion, so breit auch die Range! Zum Teil waren sehr schöne Typen mit ebenso sehr schönem Farbbild zu sehen, leider wirkten viele Tiere aber auch sehr dunkel, was sich in dunklen Köpfen und übermäßigen Lilaglanz im Hals äußerte – angesprochen wurde das in der Bewertung eher selten. Ob bzw. welchen Anteil die Lichtverhältnisse dabei spielten, vermag ich nicht einzuschätzen. Nachweisbar abgestuft wurde aus vielerlei Gründen: Zum einen wurde des Öfteren eine ausgeprägtere und / oder gleichmäßigere Schuppung notiert – einige Tiere zeigten, was unsere französischen Zuchtfreunde „Plaque“ nennen. Anderseits zeigten einige Tiere ein krummes Brustbein oder versagten im Augenrand oder einer zu flachen Stirnwölbung, d.h. u.a. in Kopfpunkten. Hier und da wurde auch ein unsauberer Hinterhals notiert. Und einige Tiere waren einfach zu schwach, um den Hauptfarbenschlag zu präsentieren. D.h. unabhängig von der subjektiven Einschätzung, dass der Farbschlag Gefahr läuft, zu dunkel zu werden, und unabhängig von den Wünschen zum Schuppungsbild, war die Kollektion durch weniger komplexe Sachverhalte sichtbar betroffen. Den EC sicherte sich unser Zuchtfreund Ronny Arryn (B) mit 97 Punkten auf eine schöne Jungtäubin. Weitere Tiere mit dem Prädikat „Vorzüglich“ gab es nicht, aber in die Reihe der 96er reihten sich gleich mehrere Züchter ein: 3x Michel Colin (F), je 2x Yves Houhon (B) und Mario Magi (I) sowie je 1x Alexandre Coupard (F) und noch einmal Ronny Arryn (B).

Die Blaufahl-sulfurgeschuppten (51) reichten nach einhelliger Meinung nicht an das Niveau der Vorjahre heran. Das sah wohl auch der PR so, denn höher als 96 Punkte ging es nicht nach oben, trotz namhafter Aussteller. Während sich viele Vertreter wie gewohnt sehr typhaft präsentierten, zogen sich qualitative Abstriche in Farbe und Zeichnung durch die ganze Kollektion. Vor allem dürften viele Tiere, insbesondere Täubinnen, in der Kopffarbe reiner sein – dunkle Sprengel störten oftmals das Farbbild. Zudem zeigte viele Tiere eine ungleichmäßige Schuppung, insbesondere im Bereich der Schultern dürfte sie oftmals ausgeprägter sein. Kommen dann verstärkt Erscheinungen wie ein welliges Schild, eine nicht ansprechende Flügelhaltung und / oder eine limitierte Rückenabdeckung sowie fächernde Schwänze hinzu, dann bestärkt das die geäußerte Meinung. Dennoch sah man auch schöne Vertreter: Vorneweg Romaric Puthod (F) mit 4x 96 Punkte inkl. dem EC, freuen durfte sich aber auch unsere Zuchtfreundin Doreen Schröter (F) aus dem Elsass (1x).

Drittstärkster Farbschlag waren in diesem Jahr die Blau-rosageschuppten (54). Während das Groh der Kollektion ausgeglichen in Typ und Farbe erschien, was einfach sehr schön anzusehen war, fielen einige Vertreter auffällig aus der Reihe. Denn einige Tiere zeigten ein sehr dunkles Rosa (fast schon ein fades Braun), teilweise auch ungleichmäßig mit bis hin zu drei Farbtönen im Schild oder fielen aufgrund der Saumbreite in den Fokus des Betrachters. Von einem sehr schmalen, fast nicht mehr sichtbaren Schuppungssaum, bis hin zu einem zu starken Saum reichten hier die Abweichungen. Aber wie gesagt, das Groh war auf einem sehr hohen Niveau, Wünsche wurden nur, aber des Öfteren bzgl. eines ausgeprägteren und gleichmäßigeren Schuppungsbildes geäußert. Ich persönlich hätte mir den einen oder anderen Vertreter erneut kräftiger gewünscht. Vorne unsere belgischen Zuchtfreunde: EC und 97 Punkte für eine sehr schöne Jungtäubin mit Bavette von unserem Zuchtfreund Gilbert Debes (B), gefolgt von gleich vier Jungtäubern ohne Bavette und je 96 Punkte – 3x Philippe van Dyck (B) und noch einmal Gilbert Debes (B).

Ganze Reihen füllten in diesem Jahr die Blau-weißgeschuppten (88) – sie folgten der Tendenz der letzten Jahre und sind damit zum stärksten Farbenschlag aufgestiegen, zumindest aktuell, denn auch die Blau-bronzegeschuppten reichten in Enchenberg zahlenmäßig nicht ganz heran! Die große Batterie hatte aber auch so ihre Schwächen. Nicht alle Tiere zeigten ein klares Schild – ganz abgesehen von häufig notierten Wünschen bzgl. einer ausgeprägteren und ausgeglicheneren Schuppung, zeigte mindestens eine Handvoll Tiere auch unreine Schilder, insbesondere im Bereich der Binden, vermehrt bei den Täubinnen. Nicht angesprochen wurde die Grundfarbe des Schildes – mir persönlich zu dunkel, wirkte es oftmals fast grau. Darüber hinaus wurde hier und da der Rückenschluss, auffällig oft aber die Schwanzfederlage angesprochen. Hier reichte das Feedback von einer festeren Schwanzfederlage oder einer strafferen Schwanzhaltung – also Wünsche – über fächrige Schwänze bis hin zu einem untypischen Schwanzaufbau – eigentlich klare Mängel. Ein Tier hatte sogar eine Spaltfeder und wurde daher auf „0“ herabgesetzt. Figürlich befanden sich einige Vertreter an der Untergrenze und vermehrt zeigten Tieren, insbesondere wieder die Täubinnen, kleine und spitze Köpfe. Auf manch einem Tier wirkte der Kopf regelrecht fremdartig. Das Groh der Kollektion zeigte jedoch schöne Cauchoistypen, und in der Stückzahl herrlich anzusehen. International besetzt nicht nur die Kollektion, sondern auch die Reihe der herausgestellten Spitzentiere: EC und 97 Punkte für eine schöne Jungtäubin ohne Bavette von unserem italienischen Zuchtfreund Mario Magi (I), während sich Yves Houhon (B) das zweite „Vorzüglich“ sicherte – ein Jungtäuber, ebenso ohne Bavette. Lang auch die Reihe der 96er, insgesamt 9x: 4x Mario Magi (I), je 2x Yves Houhon (B), Pascal Champion (F) und Philippe van Dyck sowie 1x Markus Mosebach (D).

Ein ähnliches Bild bei den Blaufahl-weißgeschuppten (24) – natürlich nicht in der Stückzahl zeigten sie jedoch ähnliche Kritikpunkte wie die Blauen, u.a. Ansätze zu Spalt- oder Dachschwanz sowie kleine, spitze Köpfe. Hinzukommt, dass mehrere Tiere mit einem welligen oder zu lockeren Schild aufwarteten. Figürlich haben sie sich aus meiner Sicht weiterentwickelt, kommen durchgängig aber noch nicht an das Niveau anderer Farbenschläge heran, sodass des Öfteren zarte Vertreter zu sehen waren. Ebenso eine positive Entwicklung bzgl. der Abzeichen auf der Brust – immerhin vier Tiere mit Bavette, aber deutlich höher die Zahl der Tiere ohne Bavette. Wieder vorneweg unser italienischer Zuchtfreund Mario Magi (I) aus der Toskana – er errang den EC und 97 Punkte auf einen Jungtäuber ohne Bavette sowie 3x 96 Punkte. Aber auch Doreen Schröter (F) konnte sich erneut belohnen, 1x 96 Punkte.

Den Abschluss der Geschuppten bildeten die Braunfahl-bronzegeschuppten (11) und die Kakifahl-sulfurgeschuppten (5) – ein Anblick, an den man sich erst gewöhnen muss. Immerhin mehr als 2-3 Tiere pro Farbenschlag. Aber da beide bis dato nicht in Deutschland anerkannt waren, hätte ich hier nicht näher auf diese „Erscheinungen“ eingehen wollen, aber unser lieber Präsident Bertram Trinkerl war so lieb, mich hier zu unterstützen: Die Braunfahl-bronzegeschuppten konnten in Typ, Augenfarbe und Schuppungsbild sowie mit recht schönen Bavetten überzeugen, während Wünsche bzgl. einer dunkleren Schwingenfarbe und einem besser abgedeckten Rücken notiert wurden. Störend, d.h. als Mängel wurde mehrmals der zu breite Schwanzaufbau kritisiert. Auch die Kakifahl-sulfurgeschuppten konnten in Form, Stand, Augenfarbe und Schuppung überzeugen. Gewünscht wurde ihnen eine sattere Schwingenfarbe und weniger Blaßwerk. Mängel waren hier mitunter eine fehlende Rückendeckung und eine Tier musste aufgrund eines Dachschwanzes abgestuft werden. Den EC stellte bei beiden Farbenschlägen unser französischer Zuchtfreund Pascal Champion (F), jeweils mit 95 Punkten.

Bindige:

Den Auftakt machten die Blaufahl-sulfurbindigen (46) und legen die Messlatte sofort sehr hoch, denn diese Kollektion war absolute Spitze und zeigte vor allem Bavettentieren – nur 4 Vertreter ohne Abzeichen auf der Brust. Gründe für eine deutliche Abstufung gab es nur in Ausnahmefällen, ansonsten war die Kollektion sehr homogen und hochwertig – gezeigt wurden sehr schöne Typen mit tollen und reinen Farben. Hervorzuheben die fast durchgängig reinen Schilde mit super Binden und sehr schönem Bindensaum. Bzgl. der Bindenbreite und -farbe gab es leichte Unterschiede, aber alles in der erlaubten Toleranz. Und die Bavetten, wo vorhanden, waren fast überall tadellos. Da kommt man regelrecht ins Schwärmen! Die Hochwertigkeit zeigte sich auch in der Zahl der Spitzentiere – neben dem EC, welchen unser lieber italienischer Zuchtfreund Vittorio Garbaccio (I) mit 97 Punkten auf eine wunderschöne Jungtäubin mit Bavette errang, wurden 7x 96 Punkte vergeben: 3x Vittorio Garbaccio (I) und je 2x für Julia Böhm (D) und Gilbert Debes (B).

Absolut hochwertig auch die Kollektion der Blaufahlen mit weißen Binden (18) – sie überzeugten in Grundfarbe sowie mit schön gezeichneten Binden, fein angelegt und gesäumt. Immer besser auch im Typ waren mir persönlich nur 2-3 Vertreter zu zart. Dementsprechend auch die Bewertung – kein Tier unter 93 Punkten und trotz der kleinen, aber für den Farbenschlag standesgemäßen Stückzahl, gleich mehrere Spitzentiere: EC und 96 Punkte für einen typhaften Jungtäuber ohne Bavette von Noé Theron (F) – es reihten sich mit weiteren 96ern ein: 2x Jean-Pierre Lutz (F) und mit je 1x 96 Punkten unser thüringischer Zuchtfreund Markus Mosebach (D) und erneut Noé Theron (F).

Es folgte die überschaubare Kollektion der Blauen mit weißen Binden (10) – kein Dutzend Tiere trotz der Beteiligung dreier Zuchten, was schon für sich spricht und ihren aktuell schweren Stand (auch international) beschreibt. Standen die Tiere am Morgen der Bewertung noch suboptimal in ihren Schaukäfigen, legten sie im Laufe der Schau zum Glück an Präsens zu, was sicher sehr positiv zur Bewertung und Werbung für diesen schönen Farbenschlag beitrug – EC und 97 Punkte für einen typhaften Jungtäuber ohne Bavette von unserem Zuchtfreund Jean-Pierre Lutz (F), die weiteren Tiere bis auf eines ohne Mängel, dennoch muss man die breite Streuung der Wünsche (und Mängel) offen ansprechen: Unreine bzw. reinere Bindenfarbe, Unreines bzw. reineres Schild, ausgeprägter in Typ und Rückenschluss oder schon hochgegriffene Wünsche bzgl. eines feineren Bindenverlaufs und eine bessere Bindentrennung, aber ich denke, der amtierende PR hat hier das richtige Fingerspitzengefühl gezeigt. Den Blau-weißbindigen kann man nur eine noch breitere Züchterschaft und den Züchtern viel Glück und Ausdauer wünschen – bleibt dran!

Schön hingegen die Zahl der Blauen mit bronze Binden (46), damit zusammen mit den Blaufahl-sulfurbindigen stärkster Farbenschlag bei den Bindigen, leider aber acht Käfige auch leer. Das Gesamtniveau reichte nicht an das der Blaufahl-sulfurbindigen und -weißbindigen bzw. an das der noch folgenden Blauen mit rosa Binden heran. Zum einen, weil die Abteilung deutlich inhomogener war, und zum anderen, weil bei einer Handvoll an Tieren auch Grund für eine deutlichere Abstufung vorlag. Während viele Tiere einen schönen Cauchoistyp präsentierten, waren andere einfach zu zart, tw. zusätzlich begünstigt durch einen spitzen Kopf, wenig Halsadel und / oder einen zu tiefen Stand. Wiederum andere Vertreter standen zu aufrecht oder bei einigen Tieren passten die Proportionen (Breite vs. Länge) aus meiner Sicht nicht. Farblich setze sich eine Zucht sichtbar ab, indem diese meist heller in Schild und Kopf war, gepaart mit dunklen, dünnen und gut getrennten Binden bei zartem und sehr sauberem Saum. Aber auch andere Zuchten präsentierten feine Tiere, des Öfteren war aber dort zu lesen: Schild reiner, Bindenfarbe intensiver / satter, vereinzelt auch reiner, Binden schmaler und / oder getrennter sowie einige Tiere wurden bzgl. der Durchfärbung in Brust und Bauch bzw. auf ihr Afterweiß angesprochen. Wollen wir nicht immer „nach den Sternen greifen“, darf man dem Farbschlag zum Glück eine doch recht gesunde Basis zusprechen, a) in Tierzahl und Züchterschaft und b) in der Qualität. EC und 97 Punkte für unseren lieben Zuchtfreund Thomas Zwack (D) auf eine feine Jungtäubin mit Bavette sowie 2x 96 Punkte, gefolgt von Vittorio Garbaccio (I) mit 1x 96 Punkte

Danach folgte die nächste sehr hochwertige Kollektion – bei den Blau-rosabindigen (42) kein Tier mit Mängeln, doch die vorherrschende Euphorie möchte ich nicht zu 100% teilen. Warum? Es wurde des Öfteren eine reinere Bindenfarbe gewünscht – sicher herausfordernd bei diesem Farbenschlag -, doch einige Vertreter zeigten einfach zu offene Rücken und / oder zu fächrige Schwänze, was unbedingt unsere Aufmerksamkeit erfordert! Und die eine oder andere Binde war mir persönlich zu breit angelegt. Ansonsten eine sehr, sehr schöne Kollektion mit starker Konkurrenz und richtigerweise positiv herausgestellt gleich eine ganze Reihe an Spitzentieren: 97 Punkte und EC für unseren Südfranzosen Florent Armand (FR) und eine schöne Jungtäubin ohne Bavette. Er durfte sich auch über ein zweites Tier mit 97 Punkten freuen, hier eine Jungtäubin mit Bavette. Es folgten 8x 96 Punkte – je 4x unsere liebe Nina Altrichter (D) und nochmals Florent Armand (F).

Überraschend klein die Kollektion der Rotfahlen (7), denn hier hielt allein unser elsässischer Zuchtfreund Jean-Pierre Lutz (F) die Flagge hoch. „Klein, aber fein!“ könnte man meinen, denn kein Tier wurde bemängelt, lediglich Wünsche wurden ausgesprochen. Zu sehen waren schöne Cauchoistypen mit intensiver Bindenfarbe und einer sichtbaren Abgrenzung des Unterrückens hin zum Bürzel- bzw. Schwanzdeckgefieder, ohne dass die Tiere einen zu starken Blauton führten – insbesondere ausfällig die ausgezeichnete Kopffärbung. Vorneweg ein Trio aus Spitzentieren bei den Jungtäubern, denn gleich die ersten beiden Nummern wurden mit je 96 Punkten herausgestellt, bevor im dritten Ausstellungskäfig der EC mit 97 Punkten folgte. Der vierte Jungtäuber im Bunde sowie die drei Jungtäubinnen komplettierten die sehr schöne Kollektion mit je 94 Punkten – Bindenverlauf und Bindenbreite boten noch Optimierungsbedarf. Mit einer schmaleren Binde, insbesondere zum Rücken hin, würde in dem Bereich auch eine bessere Bindentrennung erzielt werden.

Erneut eine starke Leistung boten die Gelbfahlen (30), sowohl in Stückzahl als auch in Qualität. Absolut ansprechend war dieser international besetzte Farbschlag in Typ und Farbe – kein Tier mit Mängeln. Durchgängig wurden kräftige, lange Cauchois in sehr schöner Grundfarbe und mit toller Bindenfarbe gezeigt. Wünsche gab es lediglich bzgl. einer schmaleren Binde und einer strafferen Flügelhaltung – grenzwertig bei einigen Tieren lediglich der Rückenabsatz, denn bei zart cremigen, fast weißem Bürzel- bzw. Schwanzdeckgefieder war eine Abgrenzung zum weißen Unterrücken in einigen Fällen nur noch zu erahnen. Und persönlich hätte ich den Tieren mehr „Model“ gewünscht, denn ich hatte das Gefühl, dass sich die Tiere beim Betrachten allzu leicht in eine Abwehrhaltung begeben statt sich wie ein gutes Model zu präsentieren. Trotz starker Konkurrenz und einer durchgängig hohen Qualität konnte sich unser Zuchtfreund Vittorio Garbaccio (I) gleich 4x 96 Punkte sichern, der EC und 97 Punkte gingen allerdings an eine sehr schöne Täubin mit Bavette aus dem Vorjahr* von unserem Zuchtfreund Gilbert Debes (B).

*) Zur Erinnerung: Bei der Europäischen Vergleichsschau der Cauchois werden für den Wettbewerb, sowohl EC als auch beste beste Kollektion, nur Tiere aus dem jeweils aktuellen Zuchtjahr und dem Vorjahr berücksichtigt, während ältere Jahrgänge trotzdem ausgestellt werden dürfen und bewertet werden.

Einfarbige:

Wie in Herrlisheim im letzten Jahr waren die Einfarbigen erneut fest in französischer Hand. Während aber unsere Elsässer Freunde bei den Gelben mit einigen Abstrichen haderten, übernahm hier Didier Basset (FR) das Zepter. Aber beginnen wir entsprechend der Schauordnung mit den Schwarzen (26): Auf den ersten Blick eine sehr schöne Kollektion mit tollen Cauchoistypen, durchgängig mit tiefem Schwarz und lackreich zugleich, auf denen sehr schöne Bavetten „glänzten“. Leider fehlten gleich mehreren Tieren mindestens eine oder gar mehrere Handschwingen- und / oder Schwanzfedern oder sie waren einfach „überputzt“, weshalb eine ganze Reihe ungewohnt in den Punktebereich von 90-92 Punkte abgestuft wurde. Unbekannt die Probleme mit dem Schwanzaufbau oder hier und dort eine hängende Flügelhaltung, was durch den PR richtigerweise angesprochen und mindestens als Wunsch bzgl. einer festeren Schwanzfederlage oder einer strafferen Flügelhaltung notiert wurde. Bzgl. der Kopfpunkte wurde vereinzelt eine bessere Augenrandabdeckung gewünscht. Zu den besten Vertretern: 2x 96 Punkte für unseren italienischen Altmeister Gian Luigi Celetto (I), der einen Großteil der schwarzen Kollektion stellte, die Nase vorne hatte aber wieder Jean-Marc Lutz (F) aus dem Elsass mit 97 Punkten und EC auf einen prächtigen Jungtäuber, gefolgt von einem weiteren Jungtäuber mit 96 Punkten. Meines Erachtens waren seine Tiere noch einen Hauch typhafter und stachen trotz der größtenteils schönen Kollektion heraus.

Es folgte die kleine Kollektion der Roten (6), alle aus der Zucht von Jean-Marc Lutz (F). Wir wissen um die Seltenheit dieses schönen Farbschlages, dennoch muss man offen sagen, es fehlte ihnen an Quantität und Qualität. Herausgestellt wurde ein Jungtäuber mit 96 Punkten und EC – leider aber auch das einzige Tier ohne Bavette. Persönlich muss ich mich immer noch an den Anblick einer Einfarbigen ohne Bavette gewöhnen, aber so ist nun mal der Standard definiert. Aber wollen wir die Vorteile der Kollektion herausstellen: Alle Vertreter zeigten ansprechende Typen mit passender Größe und Länge für eine Cauchois sowie meist ein intensives und lackreiches Rot. Ferner wiesen die Tiere eine ausgeprägte Rückenbrücke auf, und alle Bavettentiere hatten einen schönen „Mond“, auch passend positioniert. Auffällig die durchgängig helle Augenfarbe – sollte intensiver sein. Ferner musste eine Abstufung aus verschiedenen Gründen vorgenommen werden, u.a. wegen abgebrochener oder fehlender Schwung- / Schwanzfedern oder einem farbigen Unterschnabel. Und ein Tier zeigte eine haarige Federstruktur im Schild, was uns auch später bei den Gelben begegnen sollte.

Entsprechend den Vorworten zeigten die Gelben (20) „Licht und Schatten“, schön aber ihre Stückzahl, mit der sie fast zu den Schwarzen aufschließen konnten. Zu sehen war nahezu durchgängig ein schöner Gelbton, viele Vertreter absolut hochwertig in Typ, Form und Haltung, gepaart mit ausgeprägten Rückenbrücken und sehr schönen Bavetten – nur fünf Tiere ohne Bavettenzeichnung. Das allein sollte schon unseren absoluten Respekt verdienen! Leider mussten einige Tiere wie schon bei anderen Farbenschlägen abgestuft werden, u.a. wegen abgebrochener Handschwingenfedern, zu vieler Schwanzfedern (13-14), eine zu lockere Flügelhaltung oder aufgrund der bereits im Kontext der Roten angesprochenen, haarigen Federstruktur im Flügelschild. Hart, aber das richtigerweise, wurde ein Merkmal in die Kritik genommen, weshalb ich dies auch explizit ansprechen möchte: Denn gleich mehrere Tiere zeigten eine vertikale „Kehlfalte“ mit einem nicht typhaften Schnabeleinbau, was die betroffenen, sonst sehr schönen Tiere leider sichtbar „entstellte“. Nahezu das Ideal einer gelben Cauchois stellte der diesjährige EC von genanntem Didier Basset (F) dar. Lediglich die Bavette hätte ein wenig höher sitzen dürfen, richtigerweise aber 97 Punkte für diese wunderschöne Jungtäubin. Es folgten zwei Tiere mit 96 Punkten – 1x vom gleichen Züchter, 1x Yves Houhon (B) aus Belgien.

Fotogalerie und Schlusswort:

Zu den EC je Farbenschlag hier die Galerie – die Bilder wurden uns liebenswerterweise von Florent Armand bzw. dem Club Francaise Du Cauchois zur Verfügung gestellt:

Damit bin ich am Ende meiner Ausführungen, zumindest für den Teil der eigentlichen Schau bzw. des Wettbewerbes. Ich habe lange überlegt, wie ich enden soll. Mir ist durchaus bewusst, dass die Berichtserstattung auf den ersten Blick stellenweise kritischer ist als es Einem – zumindest als betroffener Aussteller – vielleicht im ersten Moment lieb ist (zu lesen). Ich möchte es aber halten wie mit der Schau selbst! Als Europäische Vergleichsschau soll sie uns zeigen, wo wir im internationalen Wettbewerb stehen – in den einzelnen Farbenschlägen und im Vergleich der Farbschläge selbst. Wir wissen alle, dass wir vielmehr Positives und Schönes gesehen haben als ein Bericht es je wiedergeben könnte. Aber wir müssen nicht alles schönreden bzw. -schreiben! Wir sind alle erfahrene Züchter, das bringt uns nicht zwingend weiter! Die Realität widerzuspiegeln hilft vielleicht eher, noch enger zusammenzuarbeiten oder den Einen oder Anderen zu animieren, den europäischen Vergleich zu suchen, der sich bisher scheute, denn „am Ende kochen wir alle nur mit Wasser!“, und in großer Gemeinschaft können wir am meisten bewirken!? Und am Ende sind wir alle Sieger! Selbst wenn wir im Wettbewerb „leer“ ausgegangen sind, war die diesjährige Schau eine absolute Bereicherung – wenn nicht Preise, dann haben wir mitunter Wertvolleres mit nach Hause genommen! Und spätestens das Drumherum sollte jegliche Enttäuschung aufwiegen!

Reisebericht Teil 2:

Feierliche Eröffnung und Züchterabend:

Gegen 18.00 Uhr waren wir zurück in der Halle. Die drei langen Tischtafeln (und der Ausschank) waren bereits gut gefüllt und die große Bühne bereitet. Pünktlich um 18.30 Uhr ergriff Jean-Marc Weyant, 1. Vorsitzender des gastgebenden Taubenvereins, das Wort. Neben ihm komplettierten zahlreiche Gäste das Podium – herzliche Worte auch von Enchenbergs Bürgermeisterin Véronique Wittemann, gefolgt von weiteren Gastrednern. Auch Bertram Trinkerl begrüßte im Namen des CCD alle Gäste und Aussteller und bedankte sich herzlich bei unseren Gastgebern für die Durchführung der diesjährigen Europaschau sowie bei allen Ausstellern und den eingesetzten PR, denn einige hatten mitunter sehr weite Wege auf sich genommen. Allen voran unser italienischer Zuchtfreund Mario Magi aus der Toskana, der mit über 1.000 km pro Strecke wohl die längste Anfahrt hatte. Es folgte Jean-Marc Lutz, der in Vertretung von Romaric Puthod das Wort für den französischen Club ergriff – Ronny Arryn vom belgischen Club musste sich aufgrund von Unwetterkapriolen leider kurzfristig entschuldigen lassen. Das letzte Wort hatte wieder der gastgebende Verein. Er nutze die Gelegenheit, um besonders erfolgreiche bzw. (alt-) verdiente Mitglieder aus den eigenen Reihen zu ehren. Abschließend wurde die offizielle Eröffnung gemeinsam mit gutem Wein sowie Snacks und verschiedenen „h’ordeuvres“ gefeiert.

Bild 16-19: Impressionen von der feierlichen Eröffnung

Nach dem anschließenden 3-Gänge-Menü ergriff unser werter Präsident nochmals das Wort. Assistiert von unserem 2. Vorsitzender Thomas Zwack wurden alle anwesenden Preisträger, d.h. die Erringer der EC und besten Kollektionen je Farbenschlag geehrt:

Farbschlag:Champion:Beste Kollektion:
Blau-bronzegeschupptRonny Arryn (B)Ronny Arryn (B)
Blaufahl-sulfurgeschupptRomaric Puthod (F)Romaric Puthod (F)
Blau-rosageschupptGilbert Debes (B)Gilbert Debes (B)
Blau-weißgeschupptMario Magi (I)Mario Magi (I)
Blaufahl-weißgeschupptMario Magi (I)Mario Magi (I)
Braunfahl-bronzegeschupptPascal Champion (F)Pascal Champion (F)
Kakifahl-sulfurgeschupptPascal Champion (F)Pascal Champion (F)
Blaufahl mit sulfur BindenVittorio Garbaccio (I)Vittorio Garbaccio (I)
Blaufahl mit weißen BindenNoé Theron (F)Jean-Pierre Lutz (F)
Blau mit weißen BindenJean-Pierre Lutz (F)Jean-Pierre Lutz (F)
Blau mit bronze BindenThomas Zwack (D)Thomas Zwack (D)
Blau mit rosa BindenFlorent Armand (F)Florent Armand (F)
RotfahlJean-Pierre Lutz (F)Jean-Pierre Lutz (F)
GelbfahlGilbert Debes (B)Vittorio Garbaccio (I)
SchwarzJean-Marc Lutz (F)Jean-Marc Lutz (F)
RotJean-Marc Lutz (F)Jean Marc Lutz (F)
GelbDidier Basset (F)Didier Basset (F)
Tabelle: Europa-Champions und Beste Kollektion (5 Tiere) je Farbenschlag – fett gedruckt unsere CCD-Mitglieder

Das Ganze erfolgte unter großem Beifall – besonders laut als unsere italienischen Zuchtfreunde Mario Magi und Vittorio Garbaccio aufgerufen wurden. Mit einem kleinen Präsent für Jean-Marc Weyant und Pascal Krebs wurde abschließend noch mal unser Dank als CCD zum Ausdruck gebracht.

Bild 20-29: Unser 2. Vorsitzender Thomas Zwack überreicht den anwesenden Siegern ihre Preise – nicht selten stehen diese mehrmals vor dem Kollegium -, bevor sich der CCD in Person von Bertram Trinkerl und Thomas Zwack mit einem Präsent auch stellvertretend bei Jean-Marc Weyant (Vorsitzender) und Pascal Krebs (Ausstellungsleiter) als unsere Gastgeber bedanken.

Danach gehörte der Abend dem geselligen Miteinander – über Sprachbarrieren hinaus wurde geplaudert, diskutiert, philosophiert, gefeiert und auf die Freundschaft angestoßen. Und wer zu späterer Stunde immer noch Hunger oder eher Appetit hatte, konnte sich noch am reichhaltigen Kuchen- bzw. Tortenbasar bedienen. Auf die Kalorien musste ich als Fahrer zwar weniger achten, die Uhrzeit hatte ich aber stets im Blick. Am nächsten Tag stand die lange Rückreise an, und daher war ich sensibilisiert, nicht zu spät ins Bett zu kommen. Aber meine Mitreisenden taten es mir leicht, kurz nach Mitternacht sollte ich in meinem Bett liegen – hinter uns lag ein herrlicher Abend unter Freunden!

Abschiednehmen und Heimfahrt:

Ohne frisches Baguette sollte unser letztes Frühstück auskommen, „aber selbst ist der Mann!“ – und Aufbackbrötchen sind eine tolle Sache! 😉 Und nachdem die letzten Delikatessen verzehrt und unsere Sachen gepackt waren, traten wir gegen 10.00 Uhr das letzte Mal den Weg in die Halle an. Denn am Vorabend war durchgesickert, dass die Tiere aufgrund der Witterung und der zum Teil weiten Entfernungen bereits um 11.30 Uhr (statt 13.00 Uhr) ausgesetzt werden dürfen. Die zweite schöne Überraschung folge auf den Fuß, indem jeder Aussteller eine sehr schöne Erinnerung überreicht bekam – spätestens jetzt durfte sich jeder als Sieger fühlen! Denn der Pigeon Club de Sarreguemines-Bitche hatte schöne Erinnerungsbilder anfertigen lassen, welche neben einer schönen Lahore und einem ebenso schönem Genter Kröpfer auch vier Farbenschläge unserer schönen Cauchois zieren. Gegen 12.00 Uhr sollte noch mal eine gute Mahlzeit auf uns warten – die richtige Stärkung für die lange Heimreise. Davon machten auch viele Anwesende Gebrauch. Danach verabschiedeten sich alle – man wünschte sich eine gute Heimreise, beste Gesundheit, eine erfolgreiche Zucht und ein baldiges Wiedersehen, wie man es halt unter guten (Zucht-) Freunden macht.

Bild 30-32: Ein schönes Erinnerungsgeschenk und ein deftiges Abschiedsessen, wovon viele Aussteller vor dem zum Teil langen Heimweg noch mal Gebrauch machten, bezeichnen den Abschluss eines tollen Wochenendes.

Gegen 13.00 Uhr machten wir uns auf den Weg – zumindest für Familie Neumann und mich lagen wieder gute 700 – 750 km vor uns! Zum Glück hielt Elli Wort und die Wetterprognose traf ein, denn wir sollten von Unwetterkapriolen verschont bleiben und die Straßen waren frei und fast durchgängig trocken. Und nach so einem tollen Wochenende ist die Rückfahrt zum Glück meist sowieso kurzweilig und vergeht häufig schneller als die Hinfahrt. Nach nicht einmal vier Stunden erreichten wir Tiefenort – ein kurzer Tankstopp sowie das Ausladen bzw. Umpacken und die freundschaftliche Verabschiedung nahm gut eine dreiviertel Stunde in Anspruch, aber soviel Zeit muss sein!

Auch der zweite Streckenabschnitt verlief recht gut – wir hielten nur kurz für eine Mini-Pause samt kleinem Snack. Und nachdem ich Jens und Martin kurz nach 21.00 Uhr in Dresden in die sicheren Händen ihres „Chauffeurs“ übergeben hatte und am Ortseingang nochmal unser Fahrzeug betankt hatte war ich ziemlich genau gegen 21.45 Uhr wieder sicher zu Hause angekommen – hinter uns lagen exakt 1.555 km seitdem ich am Donnerstagmorgen zuvor exakt an gleicher Stelle gestartet war.

Und wer meint, ich sollte nun vor Müdigkeit ins Bett fallen, irrt sich, denn ganz im Gegenteil! Denn das Erlebte beschäftigte mich noch eine ganze Weile. Mit etwas Wehmut schaute ich auf das zweite Januarwochenende zurück, aber in mir auch große Vorfreude auf das nächste Europatreffen. Dass ein solcher Ritt nicht jedes Jahr drin ist, ist mir bewusst, aber sollte sich wieder eine Gelegenheit bieten, dann wäre ich in Enchenberg sehr gerne wieder dabei, denn das war kurzgesagt einfach nur „VORZÜGLICH“! Mein bzw. unser Dank gilt allen Beteiligten, insbesondere dem Pigeon Club de Sarreguemines-Bitche mit all ihren Freunden und Unterstützern – „Merci beaucoup!“

Marko Schimmel
Webmaster und 2. Schriftführer CCD